Das ewige Sale (oder warum Geiz nicht geil ist)

Manchmal schlagen mir Kunden vor ein ‘Sale’ im Laden zu machen. Vielleicht finden sie die Preise zu hoch, vielleicht glauben sie, dass wir so mehr Menschen ansprechen oder vielleicht gibt es ihnen einfach das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Aber in der Hands Gallery gibt es kein Sale oder Ausverkauf wie in einem großen Kaufhaus.

Warum? Weil die Preise in der Hands Gallery jeden Tag günstig sind.

Wenn man überlegt, wie viel Zeit und Material der Künstler investiert hat, dann versteht man vielleicht ein bisschen wie der Preis sich zusammensetzt. Aber in Wirklichkeit ist das nur ein Bruchteil der Kalkulation.

Fangen wir mit den verbrauchten Materialien an: Material heißen hier nicht nur die Stoffe für die Decke oder das Garn für den Pulli, sondern auch der Strom um die Nähmaschine und das Bügeleisen zu betreiben oder die Nadeln zum Stricken. Die Anschaffung dieser Gegenstände, der Verschleiß und die Wartung kosten auch Geld.

Zudem kommt die Zeit hinzu. Bei einem handmade Produkt ist das nicht einfach die Zeit, die gebraucht wird um die Decke zu nähen oder den Pullover zu stricken, sondern auch die Zeit, in der die Materialien eingekauft wurden, die Zeit, die man braucht um sich ein gutes Design zu überlegen, evtl. eine Skizze anzufertigen und natürlich die Maße auszurechnen. Erst danach kommt die Zeit in der das Produkt hergestellt wird. Und zum Schluss die ganze Nachfertigung – das beinhaltet Sachen wie Faden abschneiden, Bügeln, Fotografieren, Auspreisen, usw.

Bei einem großen Anbieter wird eine hohe Stückzahl des gleichen Produkts hergestellt – das spart Zeit bei der Produktion und Geld beim Einkauf (Mengenrabatt). Die einzelne Produktionsschritte werden von verschiedenen Menschen gemacht und am Ende hat man das Produkt – und zwar eine große Menge davon.

Meistens gibt es auch längere Transportwege für diese Produkte, die im Ausland produziert wurden. Dazu kommt, dass es auch eine sehr hohe Marge darauf gibt. Natürlich gibt es Gründe dafür. Das große Kaufhaus muss Miete zahlen und Arbeiter beschäftigen. Der Hersteller muss bezahlt werden. Und man möchte auch etwas an dem Produkt verdienen.

In der Hands Gallery spielen all diese Dinge auch eine Rolle. Allerdings gibt es keinen Mittelmann und keine große Marge. Jedes Produkt wird von Anfang an vom Künstler konzipiert und hergestellt . Solche handmade Produkte sind mit Aufmerksamkeit und Liebe gemacht. Der Preis setzt sich natürlich aus Material und Zeit und einem kleinen Aufschlag zusammen, aber trotzdem spiegelt dieser Preis nie den tatsächlichen Wert des Produkts wider.

Vor Kurzem hat die Betreiberin des Nachbarladens mir geraten ein Sale zu machen. Seit sie ‘Reduziert’ im Schaufenster geschrieben hat, strömen die Kunden in den Laden.  Das Sortiment in ihrem Laden hat sich nicht geändert. Aber jetzt hängt ein Schild im Fenster und überall ist mit Rotstift darauf geschrieben und die Leute reagieren auf diese Botschaft.

Aber Tatsache ist, dass sie Ende des Monats ihr Laden schließt. Und das finde ich schade, weil es wichtig ist gute Nachbarn, eine schöne Nachbarschaft und fachliche Beratung zu haben, weil sie auch schöne Sachen aus eigenen Design anbietet und weil die Leute erst jetzt ihr Laden entdecken.

Wenn ihr Laden schließt, kommt vermutlich ein Büro rein. Für mich heißt das weniger Laufkundschaft, da die Straße insgesamt weniger attraktiv ist. Da gehen dann potentielle Kunden lieber in der Stadt einkaufen, wo sie ‘sicher’ etwas finden. Und wenn es keine kleine Läden mehr gibt, dann werden die großen Firmen ihr Spiel mit uns Konsumenten haben. Sie können verlangen was sie wollen für eine Qualität, die nicht mehr das ist was es früher war. Der Kunde zahlt dann noch mehr für schlechtere Qualität und es gibt keine Alternative. Das Wert von Handkunstwerk ist nicht nur das Wissen und Erfahrung, die in einem Produkt einfließen, oder die Einzigartigkeit des Produkts sondern auch die Tatsache, dass es eine Alternative zu den Massenware überhaupt gibt.

Veröffentlicht in 2017 Getagged mit: , , , ,